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Rückblick auf die Fachtagung "Suizid im Alter" am 17.06.2014

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Die Aktionswochen Älterwerden 2014 griffen dieses Jahr mit der Fachtagung „Suizid im Alter“ am 17.06.2014 ein besonders sensibles und äußerst wichtiges Thema auf. In den Räumen des Jugend- und Sozialamtes der Stadt Frankfurt am Main, wurde den Tagungsbesuchern ein breites Spektrum an Informationen über das noch immer als Tabu geltende Thema Suizid im Alter geboten. Hochkarätige Referenten aus Wissenschaft und Praxis nahmen sich an diesem Tag Zeit, über ihre Arbeit und Forschung zu diesem Thema zu sprechen.

Die Eröffnung der Fachtagung erfolgte durch Stadträtin Prof. Dr. Daniela Birkenfeld, die in ihrer Funktion als Sozial- und Seniorendezernentin das Grußwort sprach. Bereits hier wurde die Brisanz des Themas „Suizid im Alter“ deutlich. So gab Birkenfeld an, dass sich deutschlandweit fast alle zwei Stunden ein Mensch mit über 60 Jahren selbst das Leben nimmt.

Den ersten Fachvortrag hielt Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt, 1. Prodekan der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. Er bot den Besuchern eine philosophisch-anthropologische Sicht auf das Thema Suizid und legte somit den Grundstein für die weiteren Vorträge. Schulz-Nieswandt beschrieb das Leben als eine Aufgabe, an der man nicht nur wachsen, sondern auch scheitern könne. Betrachte man die Gabe des Lebens als ein Geschenk, so müsse man ebenfalls die Frage zulassen, ob man dieses Geschenk nicht auch zurückgeben dürfe, so Schulz-Nieswandt.

Prof. Dr. Martin Teising von der Internationalen Psychoanalytischen Universität Berlin schloss mit seinem Vortrag „Alterssuizid – bewusste und unbewusste Motive“ an. Er führte an, dass die Suizidrate mit zunehmendem Lebensalter ansteige und der Alterssuizid vorwiegend männlich sei. Weiter benannte er verschiedene Risikofaktoren für Suizid im Alter und beschrieb die Psychodynamik von Suizidalität im Alter.

Prof. Dr. Norbert Erlemeier von der Fachhochschule Münster stellte die Arbeit des Nationalen Suizidpräventionsprogramms für Deutschland, kurz NaSpro http://www.suizidpraevention-deutschland.de/ vor. Hierbei ging er insbesondere auf die Arbeit der AG Alte Menschen ein, deren Aktivitäten sich im Schwerpunkt auf Information, Aufklärung und Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit konzentrieren. Erlemeier verwies weiter auf das erfolgreiche Projekt „Lebenslinien“, abrufbar unter: http://www.diakonie-rwl.de/index.php/mID/8.3/lan/de und eine Arbeitshilfe „Suizidprävention im Alter. Folien und Erläuterungen zur Aus-, Fort- und Weiterbildung“ erhältlich im Mabuse Verlag.

Privatdozent Dr. med. Reinhard Lindner von der Medizinisch-Geriatrische Klinik Albertinen-Haus in Hamburg warf in seinem Fachvortrag „Psychotherapie – Ein Weg aus der Suizidalität?“ einen psychoanalytisch geprägten Blick auf des Thema Suizid im Alter. Er machte deutlich, dass Psychotherapie auch im Alter eine Möglichkeit der Therapie darstellt, und verwies anschaulich anhand von Fallbeispielen auf die Besonderheiten, die einem Therapeuten in der Arbeit mit älteren Menschen begegnen.

Einsamkeit als eine Komponente von Suizidalität, die nicht gleichbedeutend mit sozialer Isolation durch beispielsweise Einschränkungen der Beweglichkeit, des Hörens oder des Sehens ist, war das Thema von Dipl.-Psychologin Christiane Schrader vom Institut für Alternspsychotherapie und angewandte Gerontologie. Laut Schrader seien insbesondere Hochbetagte und Heimbewohner von Einsamkeit und sozialer Isolation betroffen.

Dr. med. Thomas Götz, Leiter der psychiatrischen Abteilung im Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt am Main führte aus, dass der vollendete Suizid nur die Spitze des Eisberges sei und skizzierte die Situation, wie sie sich für die Stadt Frankfurt am Main darstellt. Aktuell gebe es keine aussagefähige Datengrundlage zum Thema Suizid, gleiches gilt für das Thema Suizid im Alter. Daran müsse sich etwas ändern. Aus diesem Grund wurde das kommunale Netzwerk Suizidprävention, das seine Auftaktveranstaltung am 12.06.2014 hatte, ins Leben gerufen. Dieses Netzwerk will sich unter anderem mit den Themen Datensammlung und Datenqualität, Krisenversorgung, Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit beschäftigen.

In Vertretung für den leider erkrankten Dr. med. Claus Wächtler, dessen Schwerpunkt die seelische Störungen im Alter sind, griff PD Dr. med. Reinhard Lindner zum Schluss der Fachtagung das Thema „Depression und Suizidalität im Alter“ auf. Er führte aus, dass 90 Prozent aller Suizidenten an einer psychischen Erkrankung leiden. Bei 50 Prozent aller Suizide könne man die Diagnose einer Depression finden. Altersdepressionen zeigen sich in ihrer Psychopathologie etwas anders als bei jungen Menschen. Einig war sich das Plenum darüber, dass man dem Thema Suizid im Alter mit der gleichen, wenn nicht noch höheren Aufmerksamkeit begegnen sollte, wie dem Suizid bei Jüngeren. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und bedarf der Mitwirkung aller Akteure. 

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